Fortsetzung:

…Kurz nachdem seine Mama außer Sichtweite war, stand er selbstverständlich neben mir im Wasser. Ich fing an mit ihm zu erzählen und erinnerte ihn daran was seine Mama zu ihm gesagt hat. Er meinte dann aber, und jetzt kommt’s, dass Papa zu ihm meinte, dass er alleine im Pool sein darf, solange er den Grund berühren könnte. Sicherlich hat seine Mutter insgeheim darauf gehofft das ich auf ihn aufpassen werde, vor allem nachdem ich ihr erzählte, dass ich als Schwimmlehrer arbeite.

Eine andere Person wäre aber vielleicht einfach los gegangen. Nicht auszudenken, was hätte passieren können. Was können wir aus dieser Situation lernen? Sicherlich ist es nicht richtig zu verallgemeinern, was ich hier erlebt habe, da ich von einem Einzelfall berichte. Trotzdem sind es typische Situationen, bei denen immer wieder Unfälle passieren.

  • Es sind nicht nur die Kinder die wir Schwimmlehrer über Wassersicherheit und Schwimmen lernen aufgeklären müssen, sondern auch die Eltern. Das ist nichts Neues für mich, denn das mache ich mittlerweile schon seit acht Jahren in meinem Schwimmunterricht und genau deswegen schreibe ich diesen Blog, um auch deutsche Eltern darüber zu informieren.
  • Die Mutter zeigte sich beeindruckt von den Schwimmkenntnissen der australischen Kinder und sie hat sich etwas darüber beschwert, dass ihr ein Jahr Schwimmausbildung in Deutschland eigentlich etwas zu lange dauert. Leider ist man in Deutschland immer noch der Überzeugung, dass das eigentliche Schwimmen können von A nach B auch heißt, dass man ein relativ sicherer Schwimmer ist und das der Schwimmlernprozess nicht lange dauern sollte. Dem ist aber nicht so. Die Kinder die sie im Pool in Melbourne gesehen hat, haben, wenn sie 4, 5 oder auch 6 Jahre alt sind, schon mindestens ein Jahr an intensiver Wassergewöhnung hinter sich und sind eventuell gerade jetzt erst dabei erste Schwimmtechniken in einem nachhaltigen Schwimmprogramm zu erlernen.
  • auch wenn der Junge sich bereits mit dem Kopf über Wasser halten konnte, dann heißt das noch lange nicht, dass ich ihn alleine in der Nähe des Pools sitzen lassen darf oder mich auf andere Badegäste einfach verlasse, das sie auf mein Kind aufpassen. Schon gar nicht, wenn ich weiß, dass es meine Anweisungen wahrscheinlich nicht befolgt. Was hätte passieren können, wenn der Junge dort allein gewesen wäre? Was ich noch viel schlimmer fand ist, dass der Vater seinem Sohn anscheinend erlaubt hat, sich alleine ohne Eltern, im schultertiefen Wasser aufzuhalten.
  • Im Poolbereich gab es wie überall üblich in Australien Warn- und Hinweisschilder, die anscheinend bisher nicht wahrgenommen bzw. ignoriert wurden sind. Auch ein Zeichen dafür das diese Familie die ausgehende Gefahr immer noch unterschätzt oder sich dessen auch nicht bewusst war.
  • Nun aber mal was Positives! Das Kind und seine Eltern haben es in nicht einmal drei Monaten geschafft, dass ihr Sohn sich unbekümmert im Wasser bewegen und bereits eine kleine Strecke alleine schwimmen kann. Ich hoffe für ihn, dass seine Eltern auch nach dem Urlaub weiter dran bleiben und sich nicht nur auf den noch drei Jahre entfernten Schulschwimmunterricht verlassen.
  • Ich höre jetzt schon wieder “Na ja, der war ja bestimmt auch jeden Tag im Pool oder im Meer baden!”. Ich muss euch zu stimmen, dass war er bestimmt. Es zeigt aber auch, und dafür muss man nicht nach Australien reisen. Wenn man Kinder an das Wasser gewöhnen und diese sich darin wohlfühlen können, dann muss man ihnen auch oft genug die Chance dazu geben und sie dabei auch etwas unterstützen. Mit anderen Worten ‘Eltern sollten öfters mit ihren Kindern ins Schwimmbad (und nicht nur ins Spaßbad) gehen oder im Sommer an den See bzw. an das Meer fahren.

Trotzdem rate ich allen Eltern, auch wenn sie ihren Kindern die Grundlagen des Schwimmens beibringen konnten, nicht darauf zu verzichten ihr Kind im Schwimmkurs anzumelden. Es gibt immer etwas zu verbessern, zu festigen oder Neues zu lernen. Ich muss aber auch davor warnen, dass man hier auch viel falsch machen kann. So ein Vorhaben kann auch leicht nach hinten losgehen.

Wobei es bei der Auswahl einer richtigen Schwimmschule ankommt, hatte ich ja in den letzten Wochen ausführlich beschrieben. Ach übrigens. Die Mama kam nach 5 Minuten wieder und ermahnte ihr Kind, als sie ihn im Pool und nicht auf dem Stuhl erblickte. Zum Glücks ist dieses Mal alles gut gegangen.