Liebe Leser, ich hoffe ihr hattet einen guten Start ins neue Jahr. Für mich war es eine kleine Umstellung, denn vor genau 12 Monaten saß ich noch in Melbourne bei 30 Grad am Pool.

Am letzten Tag meines Urlaubs hatte ich damals noch etwas Zeit, da mein Rückflug erst gegen 19.00 Uhr startete. Also nutzte ich die verbleibenden Stunden mit lesen und lag bis in den frühen Nachmittag am Pool.

Allerdings war ich dort nicht allein. Zwei australische Väter die anscheinend mit ihren Familien zusammen den Urlaub verbrachten hatten eine wundervolle Zeit mit ihren sieben Kindern (Alter zwischen ca. 9 und 2 Jahren). Die älteren Jungs, wie es sich gehört, warfen sich gegenseitig einen Tennisball zu, es wurde vom Beckenrand gesprungen und natürlich gab es auch ein paar spielerische Raufereien. Die Kleineren hielten sich, gleich neben dem tiefen Becken, im 30cm tiefen Nichtschwimmerbereich auf und ich konnte erkennen, dass einige von ihnen bereits schon seit einiger Zeit am Schwimmunterricht teilnahmen.

Sie führten untereinander kleine Wettkämpfe durch, wie z.B. wer am längsten auf dem Rücken schweben kann oder wer den schnellsten Torpedobeinschlag hat. Auch beide Väter hatten viel Spaß mit ihren Kindern und selbstverständlich auch alles unter Kontrolle. Um die Sicherheit zu gewähren, gab es für die größeren Jungs, sobald sie es mit dem Spielen etwas übertrieben, eine fünf Minuten Auszeit. Nach ca. zwei Stunden machten sie sich zum Mittagessen auf. Alle nahmen ihr Handtuch, schlossen die Eingangstür zum Pool hinter sich und verließen gemeinsam den Poolbereich.

Kurz darauf erschien eine von den vielen deutschen Familien, die ebenfalls ihren Urlaub in Melbourne verbrachten am Schwimmbecken. Schnell kam ich mit der Mama der beiden Kinder ins Gespräch. Während wir erzählten hielt sie ihr Baby im Arm und ihr vielleicht sechsjähriger Sohn spielte im Pool. Selbstverständlich unterhielten wir uns auch über das Thema Schwimmen lernen in Deutschland und ich erzählte ihr ein wenig über meine damalige Arbeit in Hobart und über meinen Blog.

Die Mutti berichtete mir dann über die Situation in ihrer Heimatstadt Berlin, wie schwierig es doch ist einen Platz für das Babyschwimmen zu ergattern und wie lange es heutzutage dauert, bis ein Kind endlich schwimmen kann. Sie erwähnte aber auch, dass sie sehr überrascht ist und es sehr bewundert, wie selbstsicher, mit welchen Kenntnissen und vor allem Ferigkeiten vierjährige Kinder sich hier in Australien im Wasser bewegen.

Familie am Pool

Auch ihr Sohn konnte sich bereits gut über Wasser halten und ich fragte seine Mama, ob er denn schon das Seepferdchen hat. Sie meinte nur, dass die Ausbildung heutzutage in Deutschland bis zu einem Jahr dauern kann und sie nicht so lange warten wollten.

“Er hat jetzt während unseres dreimonatigen Aufenthalts in Australien das Schwimmen gelernt. Jedes Mal wenn wir auf unserer Rundreise wo anders anhielten und er sich im Wasser aufhielt, bemerkten wir das er wieder etwas Neues konnte bzw. ausprobiert hat.”

Und ich muss ihr bestätigen, dass er mir gegenüber einen sehr selbstbewussten Eindruck im Wasser hinterließ. Ständig hatte er den Kopf unter Wasser, sprang vom Beckenrand oder schwamm von der einen Seite des Pools zur anderen. Er war unheimlich froh im Wasser, wollte mir ständig neue Sachen zeigen, die er in den letzten Wochen und Monaten für sich im Wasser entdeckt hatte. Allerdings machte er auch nicht wirklich den Eindruck, darauf zu hören was seine Mutter zu ihm sagte, da sie ihn des Öfteren ermahnte.

Ich selbst fand das natürlich auch sehr aufregend, weil erstens ich nicht oft dazu komme mitzuerleben, was Kinder außerhalb des Schwimmunterrichts im Wasser alles anstellen und zweitens mitzuerleben wie ernst die Eltern, und in diesem Falle sogar welche aus Deutschland, die ganze Sache mit der Wassersicherheit ihrer Kinder nehmen. Genau so unbekümmert wie sich dieser Junge im Wasser verhielt, ist genau der Grund warum ich als Schwimmlehrer arbeite. Ich möchte Kinder im Wasser sehen die Spaß haben und keine Angst zeigen. Allerdings ist es meines Erachtens auch wichtig das sie den nötigen Respekt vor dem Wasser entwicklen und wissen das es auch gefährlich sein kann, wenn man nicht aufpasst.

Nach ca. 10 Minuten stand die Mama auf und meinte zu ihrem Jungen, dass sie mit ihrem Baby kurz zum Wohnmobil müsste und sie forderte ihn auf so lange außerhalb des Pools, aber noch im abgezäunten Poolbereich, auf einem Stuhl zu warten. Der Kleine versuchte noch zu verhandeln und meinte das der Mann (in diesem Fall ich) doch auf ihn aufpassen könnte. Sie ließ sich aber auf keine Diskussion ein und meinte das es nicht meine Aufgabe sei, mich um ihn zu kümmern. Also kletterte er dann bereitwillig aus dem Wasser. Ich hätte also ohne Bedenken aufstehen und zu meiner Liege zurückgehen können, als sie losging und unser Gespräch beendete. Eine innere Stimme sagte mir aber, dass ich im Wasser sitzen bleiben sollte, denn ich wusste das es den Kleinen nicht lange auf dem Stuhl halten würde. Und so war es auch.

Wie es weiterging erfahrt ihr hier beim nächsten Mal!