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Nun sind die Feiertage schon wieder eine Weile her und mir gehts wahrscheinlich wie vielen von euch. Ich schwelge immer noch in meinen Urlaubserinnerungen. Der Sommer ist hier voll im Gange, dass erkennt man vor allem daran, dass mein “Schwimmlehrerkollege” und ehemaliger Olympiatrainer Laurie Lawrence ständig im Radio zu hören ist und auf die Gefahren im oder in der Nähe von Wasser hinweist.

Ich war übrigens mit zwei Freunden aus der Heimat im Wohnmobil unterwegs und wir haben in knapp 16 Tagen einen Teil der australischen Ostküste abgefahren. Auf den knapp 2300km zwischen Brisbane und Melbourne sahen wir selbstverständlich viele wunderschöne Strände und jeder etwas besser ausgestattete Campingplatz hatte seinen eigenen Swimmingpool. Also eine gute Gelegenheit für mich, mich um zuschauen und mir einen Eindruck zu verschaffen wie ernst Eltern das Thema Wassersicherheit in der schönsten Zeit des Jahres nehmen. Schließlich freuen sich alle sehr darauf, die Zeit, in der man es sich verdient hat abzuschalten und sich auszuruhen. Aber heißt das auch, dass ich in Wassernähe nicht mehr auf meine Kinder aufpassen brauch? Selbstverständlich nicht.

Am letzten Tag meiner Reise hatte ich noch etwas Zeit, da mein Rückflug erst gegen 19.00 Uhr von Melbourne aus starten würde. Also nutzte ich die verbleibende Stunden mit Lesen und lag bis in den frühen Nachmittag am Pool. Allerdings war ich dort nicht allein. Zwei australische Väter die anscheinend mit ihren Familien zusammen den Urlaub verbrachten hatten eine wundervolle Zeit mit ihren sieben Kindern (Alter zwischen ca. 9 und 2 Jahren). Die älteren Jungs, wie es sich gehört, warfen sich gegenseitig einen Tennisball zu, es wurde vom Beckenrand gesprungen und natürlich gab es auch ein paar spielerische Raufereien. Die kleineren hielten sich, gleich neben dem tiefen Becken, im 30cm tiefen Nichtschwimmerbereich auf und ich konnte erkennen, dass einige von ihnen bereits schon seit einiger Zeit am Schwimmunterricht teilnahmen.

Sie führten untereinander kleine Wettkämpfe durch, wie z.B. wer am längsten auf dem Rücken schweben kann oder wer den IMG_1969schnellsten Torpedobeinschlag hat. Auch beide Väter hatten viel Spaß mit ihren Kindern und selbstverständlich auch alles unter Kontrolle. Um die Sicherheit zu gewähren, gab es für die größeren Jungs, sobald sie es mit dem Spielen etwas übertrieben, eine fünf Minuten Auszeit. Nach ca. zwei Stunden machten sie sich zum Mittagessen auf. Alle nahmen ihr Handtuch, schlossen die Eingangstür zum Pool hinter sich und verließen gemeinsam den Poolbereich.

Kurz darauf erschien eine von den vielen deutschen Familien, die ebenfalls ihren Urlaub in Melbourne verbrachten. Es war schon sehr witzig. Als wir Sylvester auf dem Zeltplatz ankamen, sprach ich kurz mit dem Hausmeister und er fragte mich anschließend direkt ob ich Deutscher bin. Ich bin mir auch sicher, dass von den ca. 7 bis 8 Wohnmobilen die in der unmittelbaren Nähe neben unserem Fahrzeug aufgereiht waren, mindestens 6 von deutsche Familien bewohnt wurden. Man sprach hier also deutsch!

Aber nun zurück zu der Begegnung mit der besagten Familie. Kurz nach der Ankunft im Swimmingpoolbereich kam ich auch schnell mit der Mama der beiden Kinder ins Gespräch. Papa war leider nicht mit dabei. Während wir erzählten hielt sie ihr Baby im Arm und ihr vielleicht sechsjähriger Sohn spielte im Pool. Schnell kamen wir auf das Thema Schwimmen lernen in Deutschland und ich erzählte ihr ein wenig über meine Arbeit in Hobart und über meinen Blog.

Die Mutti berichtete mir dann über die Situation in ihrer Heimatstadt, wie schwierig es doch ist einen Platz für das Babyschwimmen zu ergattern und wie lange es heutzutage dauert, bis ein Kind endlich schwimmen kann. Sie erwähnte aber auch, dass sie sehr überrascht ist und es sehr bewundert, wie selbstsicher, mit welchen Kenntnissen und vor allem Ferigkeiten vierjährige Kinder sich hier in Australien im Wasser bewegen.

Auch ihr Sohn konnte sich bereits gut über Wasser halten und ich fragte seine Mama, ob er denn schon das Seepferdchen hat. Sie meinte nur, dass die Ausbildung heutzutage in Deutschland bis zu einem Jahr dauern kann und sie nicht so lange warten wollten. “Er hat jetzt während unseres dreimonatigen Aufenthalts in Australien das Schwimmen gelernt. Jedes Mal wenn wir auf unserer Rundreise wo anders anhielten und er sich im Wasser aufhielt, bemerkten wir das er wieder etwas Neues konnte bzw. ausprobiert hat.”

IMG_0102Und ich muss ihr bestätigen, dass er mir gegenüber einen sehr selbstbewussten Eindruck im Wasser hinterließ. Ständig hatte er den Kopf unter Wasser, sprang vom Beckenrand oder schwamm von der einen Seite des Pools zur anderen. Er war unheimlich froh im Wasser, wollte mir ständig neue Sachen zeigen, die er in den letzten Wochen und Monaten für sich im Wasser entdeckt hatte. Allerdings machte er auch nicht wirklich den Eindruck darauf zu hören was seine Mutter zu ihm sagte, da sie ihn des Öfteren ermahnte.

Ich selbst fand das natürlich auch sehr aufregend, weil erstens ich nicht oft dazu komme mitzuerleben, was Kinder außerhalb des Schwimmunterrichts im Wasser alles anstellen und zweitens mitzuerleben wie ernst die Eltern, und in diesem Falle sogar welche aus Deutschland, die ganze Sache mit der Wassersicherheit ihrer Kinder nehmen. Das was dieser Junge verkörperte ist genau das warum ich als Schwimmlehrer arbeite. Ich möchte Kinder im Wasser sehen die Spaß haben und keine Angst zeigen. Allerdings ist es meines Erachtens auch wichtig das sie den nötigen Respekt vor dem Wasser entwicklen und wissen das es auch gefährlich sein kann, wenn man nicht aufpasst. 

Nach ca. 10 Minuten stand die Mama auf und meinte zu ihrem Jungen, dass sie mit ihrem Baby kurz zum Wohnmobil müsste und sie forderte ihn auf so lange außerhalb des Pools auf einem Stuhl zu warten. Der kleine versuchte noch zu verhandeln und meinte das der Mann (in diesem Fall ich) doch auf ihn aufpassen könnte. Sie ließ sich aber auf keine Diskussion ein und meinte das es nicht meine Aufgabe sei, mich um ihn zu kümmern. Also kletterte er dann bereitwillig aus dem Wasser. Ich hätte also ohne Bedenken aufstehen und zu meiner Liege zurückgehen können, als sie losging und unser Gespräch beendete. Eine innere Stimme sagte mir aber, dass ich im Wasser sitzen bleiben sollte, denn ich wusste das es den Kleinen nicht lange auf dem Stuhl halten würde. Und so war es auch…

…und wie es weiterging erfahrt ihr hier am kommenden Dienstag. 

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