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Wie ihr bereits im ersten Teil dieses Beitrages lesen konntet, gibt es viele Gründe warum Kinder etwas brauchen um sich an das Wasser zu gewöhnen und bis sie die nötigen Kenntnisse verinnerlicht haben. Schwimmen lernen ist kein notwendiges Übel, dass man schnell mal macht und dann abhaken kann. Es  braucht Zeit. Ziel sollte es sein so viele Kenntnisse und Fertigkeiten wie möglich zu lernen, um im Falle eines Notfalls gut vorbereitet zu sein. Viele denken „Ok, mein Kind kann jetzt schwimmen. Wieder eine Hürde geschafft. Auf zur nächsten.“. Meiner Meinung nach geht es,…

…nach dem das Kind Schwimmen gelernt hat, erst richtig los mit der Wassersicherheitsausbildung, denn die neu erlernte Fähigkeit bringt auch Gefahren mit sich, wie z.B. ein gesteigertes Selbstbewusstsein und in manchen Fällen geht auch der Respekt vor dem Wasser verloren. Bucht euer Kind ruhig weiterhin in einen Schwimmkurs ein. Es kann nie schaden Erlerntes zu vertiefen und Neues in diesem Bereich zu lernen.

  1. Zu lange mit dem Schwimmkurs gewartet

Ein weiterer Grund dafür, dass ein Kind viel Zeit beansprucht, um das Schwimmen zu erlernen, könnte sein, dass der Schwimmkurs von den Eltern viel zu lange hinausgezögert wurde bzw. man sich auf das Schulschwimmen ab der dritten Klasse verlassen hatte. Schwimmen kann jeder lernen, allerdings dauert es mit zunehmendem Alter auch etwas länger, da, wie ich bereits erwähnte, sich über die Jahre bereits bestimmte Vorurteile gegenüber dem Wasser gebildet haben können oder negative Erfahrungen gemacht worden sind. Außerdem geht mit zunehmendem Alter der kleinkindliche Entdeckungsdrang und das unbekümmerte Ausprobieren von Neuem Stück für Stück verloren. Für Kinder, die diesen nicht mehr haben, wird es zunehmend schwerer, sich an das Wasser zu gewöhnen, Vertrauen aufzubauen und der Schwimmlernprozess kann erheblich länger dauern, wenn man nicht dabei bleibt.

Zu viele Eltern denken sich, dass sie sich das Geld für den Schwimmkurs am Nachmittag sparen können, da Schwimmen lernen später in der Schule Bestandteil des Sportunterrichts ist. In der dritten Klasse sind die meisten Kinder aber schon 9 Jahre alt. Wer hier erst mit dem Blasenblubbern im Kinderbecken beginnt, wird nicht nur einen langen und frustrierenden Weg (vermutlich auch als Einziger der Klasse) bis zum richtigen Schwimmen vor sich haben, sondern auch feststellen, dass alle anderen schon viel weiter sind und bereits wie die Großen ins tiefe Becken springen und schwimmen dürfen. Allerdings ist es auch schon vorgekommen, dass Eltern ihre Kinder vom Schwimmunterricht bewusst fernhalten wollen. Sie sind der Meinung, dass ihre Kinder nicht lernen müssen, wenn diese es nicht wollen. Ich kann nicht verstehen, wie man seinem Kind diese einmalige Chance verwehren kann. Es ist mir bewusst das der Schwimmunterricht am Nachmittag Geld kostet, aber das Schulschwimmen ist meines Erachtens umsonst oder nur mit sehr geringen Kosten verbunden. Warum sollte ich meinem Kind diese wichtige Erfahrung nicht ermöglichen? Viele vergessen das es beim Schwimmen lernen nicht nur darum geht, sich auf mögliche Gefahren vorzubereiten und gegebenfalls sich selbst retten zu können, es geht auch darum, Kindern aufzuzeigen, was einem für Möglichkeiten offen stehen, wenn man es endlich kann. Hier eine kleine Auflistung, was euren Kindern entgeht, wenn sie das Schwimmen nicht richtig gelernt haben: Schwimmen mit Freunden, Schwimmen an den tollen Stränden im Urlaub, im Verein, als Leistungs-, Freizeit- oder Rehasport, alle Wassersportarten wie Rudern, Kanu, Segeln, Tauchen, Wasserski, Wakeborden, Surfen usw.!!!

  1. Zu wenig Zeit investiert/ Schwimmen wieder verlernt/ keine Möglichkeit zum Üben

Als ich vor ca. drei Jahren in Magdeburg für “aktiVaria – Entdecke den Sport” die aktiVaria-Schwimmschule aufgebaut habe, lernte ich ein Kind im Unterricht kennen, das bereits die Seepferdchenausbildung bestanden hatte. Das Mädchen war bereits 8 oder 9 Jahre alt und ihre Eltern waren sehr besorgt, da sie in der Nähe eines Sees wohnten und ihre Kleine das Schwimmen wieder verlernt bzw. auch mittlerweile eine große Angst gegenüber dem Wasser entwickelt hatte. Ich weiß leider nicht mehr die genauen Hintergründe. Trotzdem frage ich mich, ob der Seepferdchenkurs einfach nur zu kurz war oder der Kleinen im Anschluss nicht genug Möglichkeiten gegeben worden waren, weiter zu üben. Oder war es vielleicht doch ein traumatisches Erlebnis? Schwimmen lernen ist kein Crashkurs. Wenn ich meine Führerscheinprüfung, um ein Auto fahren zu können, bestanden habe, dann heißt das ja auch noch lange nicht, dass ich ein guter Autofahrer bin. Sicheres Autofahren kommt erst mit der Erfahrung und braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Genau so ist es auch beim Schwimmen lernen. Wenn ich als Elternteil keine Zeit habe, mit meinem Kind selbst ins Schwimmbad zu gehen, um dort ein paar Bahnen zu ziehen, dann sollte man in Erwägung ziehen, weitere Kursangebote der Schwimmschulen warzunehmen. In einigen Einrichtugen geht der erweiterte Unterricht mittlerweile über das eintönige Bahnenschwimmen hinaus.

Hier in Australien kann die Ausbildung, wenn man es dann wünscht, bis zu mehreren Jahren dauern, ohne dabei den Leistungsdruck wie im Schwimmverein zu erhalten. Die Inhalte sind unheimlich breit ausgerichtet und die Kinder lernen eine Vielzahl von Schwimmstilen, Fortbewegungsmöglichkeiten, Rettunsgmethoden und viele andere nützliche Fertigkeiten, die für den unbekümmerten Aufenthalt im oder am Wasser einfach von großer Bedeutung sind.

  1. Kein Vertrauen zum Wasser bzw. Schwimmlehrer

381515_m Vertrauen_FotorNicht immer muss es am Kind oder den Eltern liegen, dass der Schwimmerfolg ausbleibt oder einfach nur lange dauert. Die Ursache kann durchaus auch beim Schwimmlehrer zu finden sein. Ist das absolut notwendige Vertrauen vom Kind zum Kursleiter nicht vorhanden, dann wird es sich nie richtig im Wasser entspannen können. Viel schlimmer ist es noch, wenn der Schwimmlehrer dieses Vertrauen im Unterricht missbraucht (“Spring schon, ich ziehe den Stab schon nicht weg”, so war es damals bei mir.). Von daher ist es sehr wichtig, dass Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, auch dementsprechend ausgebildet sind. Verlange ich von einem Kind etwas zu tun, wovor es Angst hat oder sich nicht traut es durchzuführen, dann ist es wohl noch zu früh oder ich muss nach Alternativen suchen.

Es ist nicht der Schwimmlehrer, der bestimmt, wann die Teilnehmer für den nächsten Schritt bereit sind, sondern jedes Kind entscheidet für sich selbst. Die Gruppenstärke und auch der möglichst homogene Kenntnisstand aller Teilnehmer ist ebenfalls entscheidend für den Erfolg der einzelnen Schüler. Habe ich eine Anfängergruppe im Bereich Wassergewöhnung/ Schwimmen lernen, dann sollte auch die Anzahl der Teilnehmer möglichst klein sein (maximal 6). Außerdem sollte der Schwimmlehrer zur Unterstützung, zum Vormachen und aus Sicherheitsgründen gleichzeitig mit im Wasser sein. Später, wenn Kinder sich bereits relativ sicher im Wasser vorwärtsbewegen können, dann macht es Sinn, auch von Außen zu unterrichten. Mit steigendem Kenntnisstand darf sich dann auch die Anzahl der Teilnehmer erhöhen.

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