Es kommt immer wieder vor, dass mir Kinder vor ihrer aller ersten Kursstunde ihre tollen Schwimmbrillen zeigen. Viele sind dann immer sehr enttäuscht wenn diese während des Unterrichts überhaupt nicht zum Einsatz kommen. Das hat natürlich einen triftigen Grund.

Kommen Schwimmbrillen zu früh zum Einsatz, gewöhnen sich Kinder zu schnell an diese und die Ausbildung verfehlt recht schnell ihr eigentliches Ziel: Den sicheren Umgang mit dem nassen Element.

Schwimmbrillen gehören meines Erachtens nicht in den Bereich der Wassergewöhnung bzw. Wassersicherheit und spielen erst später bei der Schwimmtechnikausbildung eine Rolle. 
In meinen Kursen muss ein Kind erst einmal zeigen, dass es einen Torpedo bzw. das Hunde paddeln mit Kopf unter Wasser bedenkenlos und ohne sich anschließend die Augen zu reiben, vormachen kann. Aller größte Priorität vor dem Schwimmen lernen hat nun mal die Gewöhnung der Augen an das Wasser.

In meinen Anfängergruppen argumentiere ich meistens so: “Stell dir vor, du machst mit deinen Eltern am Sonntag einen Spaziergang am Fluss oder fährst mit ihnen zum Paddeln an den See. Auf einmal fällst du aus Versehen ins Wasser. Hast du da immer eine Schwimmbrille auf?”.

Ein Kind das Schwimmen kann, allerdings panisch um sich schlägt wenn es Wasser in die Augen bekommt, ist nun leider mal nicht viel sicherer im Wasser als ein Kind aus dem Nichtschwimmerkurs.

Leider kann es, abhängig von den Vorkenntnissen, eine Weile dauern bis manche Kinder sich unter Wasser pudelwohl fühlen. Einige Schwimmlehrer sehen das als Zeitverschwendung an bzw. überspringen diese wichtige Phase der Wassergewöhnung gerne mal, da Eltern schnelle Erfolge sehen und das Thema Schwimmen lernen von ihrer Liste abhaken wollen. Aber genau da liegt meines Erachtens eines der Probleme, warum viele Kinder sich heutzutage im Wasser nicht sehr wohlfühlen bzw. im Anschluss der Ausbildung Schwimmbäder meiden.

Viel kann bereits vorher schon erlernt werden, wie z.B. sich Wasser auf dem Gesicht anfühlt und das es auch überhaupt nicht schlimm ist, wenn mal etwas in die Augen geht. Besser, einfacherer und vor allem Zeit sparend für Eltern und Schwimmlehrer ist es, wenn das Kind bereits zu Hause in der Wanne das Untertauchen geübt hat.

Augen öffnen unter Wasser ist wichtig. Auch in meinen Kursen für Fortgeschrittene wird in den ersten fünf und den letzten zehn Minuten des dreissigminütigen Unterrichts immer ohne Schwimmbrille geübt. Grundlegende Kenntnisse werden somit nicht verlernt und Elemente aus der Wassersicherheit beinhalten nun mal keine Aktivitäten mit Schwimmbrille.

Fortsetzung folgt…