… aber nur unter der Voraussetzung, dass die in Gefahr geratene Person auch nah genug am Schwimmbecken oder Ufer ist.

Hallo liebe Leser,

am vergangenen Wochenende habe ich auf einer Facebookseite der DLRG feststellen müssen, dass der Bestandteil einer bestimmten Schwimmstufe für Kinder ab 10 Jahre Übungen zum Retten von Menschen beinhaltet. Wie denkt ihr darüber? Haltet ihr so etwas für sinnvoll? Hier erfahrt ihr, wie ich dazu stehe.

DLRG Nachwuchsarbeit ist wichtig

Sicherlich ist es wichtig für die DLRG ihren eigenen Nachwuchs auszubilden und ich bin mir sicher, man macht dort auch eine sehr gute Arbeit im Bereich der Schwimmausbildung. Auch die Kinder, die so einen Sport betreiben, kann man wohl nicht mit den Teilnehmern eines allgemeinen Schwimmkurses vergleichen oder als Anfänger einstufen. Trotzdem finde ich es fragwürdig, ihnen das Rüstzeug für eine Rettung von Ertrinkenden im Wasser zu vermitteln als nicht altersgerecht.

Sollten Ihre Kinder Leben retten können

Es gehört einiges dazu, um einen Menschen vor dem Ertrinken zu retten (Ich selber habe die Rettungsschwimmerlizenz in Silber.) bzw. vom Grund zu bergen. Sicherlich gibt es viele vorbereitende Übungen zu diesem Thema, die Kinder vor neue Herausforderungen stellen und viel Spaß machen, aber mir geht es dabei vor allem um die Frage, ob sehr junge Menschen in diesem Alter Notsituationen richtig einschätzen können.

Man kann ohne Bedenken behaupten, dass viele Kinder von Grund auf sehr hilfsbereit sind und gern unterstützen. Was passiert aber, wenn sie dieses eben nicht abschätzen können bzw. ausblenden, dass sie sich einer Gefahr aussetzen und dadurch sich selbst in Schwierigkeiten bringen. Ist es nicht genau das, wovor wir unsere Kinder bewahren wollen?

Zehnjährige sollen Erwachsene retten?

Als ich von dieser Schwimmstufe erfuhr, stellte sich mir sofort folgende Frage: Wie kann ein zehnjähriges Kind, dass diese DLRG Stufe bestanden und somit „die Erlaubnis zum Retten“ bekommen hat, jemanden wie mich (etwas über 100kg und 193cm groß) aus zwei Meter Tiefe bergen, mich bis zum Beckenrand schleppen und anschließend noch aus dem Wasser ziehen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass so ein Vorhaben in die „Hose“ gehen wird.

„Mich hat vor Jahren bei einem Raftingunfall mal ein ca. 65 kg schwere Frau vor Panik in die Tiefe gezogen!“

Was passiert, wenn der Erwachsene das Kind aus Panik unter Wasser zieht? Was passiert, wenn das Kind so erschöpft ist, dass es seinen Kopf nicht mehr über Wasser halten kann oder unter Wasser hängen bleibt? Nicht zu verachten sind die anschließenden traumatischen Erlebnisse, mögliche körperliche und psychische Folgeschäden und deren womöglich lebenslange Behandlung. Möchte man das seinem Kind bzw. seiner Familie wirklich antun? Was passiert dann? Wer erklärt das den Eltern? Wer ist verantwortlich? Oder versucht man sich damit herauszureden, dass man dem Zehnjährigen immer gesagt hat, nicht im Notfall ins Wasser zu springen? Sicherlich handelt es sich hier um etwas Schwarzmalerei meinerseits, aber man muss sich auch einmal mit solchen Gedanken auseinandersetzen. Beispiele gibt es von solchen Unfällen genug, und dass es so etwas wie eine 100%ige Wassersicherheit nicht gibt, dass habe ich hier im Blog schon oft dargestellt.

Ein Badeunfall bedeutet nicht immer automatisch den Ertrinkungstod … es kann auch sein, dass Menschen aufgrund von Sauerstoffmangel Gehirnschäden davon tragen und zum lebenslangen Pflegefall werden!

Sicherlich wird man den Teilnehmern dieser Schwimmstufe immer wieder sagen, dass sie eben genau nicht dazu befähigt sind Menschen zu retten, aber welches zehnjährige Kind ist so erwachsen, diesen Zusammenhang zwischen „Ich weiß, was zu tun ist – darf es aber nicht anwenden.“ zu verstehen?

Ich kann es immer nur wiederholen. Ich befürworte jegliches Schwimmlern- und Wassersicherheitskonzept, das versucht, Kinder im und in der Nähe von Wasser sicherer zu machen. Was ich nicht akzeptieren kann, sind Ausbildungsbestandteile, die Kinder bewusst veranlasst, sich einer Gefahr auszusetzen.

Unter diesem Link findet ihr einige Beispiele, wie solche Rettungstechniken aussehen.

Die für mich sinnvollsten Techniken für Kinder, um in Not geratene zu retten heißen:

Fazit

Zehnjährige Kinder sollten meines Erachtens nicht dazu motiviert werden bei einem Unfall im Wasser in Not geratenen Menschen zu helfen. Von daher bevorzuge ich es, in meinem Unterricht kindgerechte Rettungstechniken vom Land aus beizubringen, und sollte das nicht möglich sein, dann können sie immer noch einem Erwachsenen Bescheid geben bzw. den Notruf verständigen. Mehr brauchen sie meines Erachtens in diesem Alter nicht zu wissen.