Jack MaMillan SWB 11.10.00 - 29.01.13

 

Gerade wurde hier in Australien wieder ein Beitrag zum Thema Flachwasserohnmachtsunfall im Fernsehen gezeigt. Ich hatte da ja bereits letztes Jahr in einem Beitrag drauf hingewiesen. Schaut euch das Video unbedingt an und lest euch meinen Beitrag noch mal durch. Kontinuierliches Untertauchen über einen kurzen Zeitraum und dabei immer versuchen so lange wie möglich die Luft anzuhalten kann tödlich enden!!!

Hier geht’s zum Fernsehbeitrag! 

Der 12 jährige Jack spielt zu Hause im Swimmingpool seiner Eltern. Seine Mutter sitzt auf der Terrasse gleich gegenüber, nicht mal 10m von ihm entfernt. Sie kümmert sich um Jacks sechs Monate alte Schwester und schaut ab und zu auch zu ihm rüber, was er im Wasser so treibt, obwohl er ein ausgezeichneter Schwimmer ist. Er ist ein ganz normaler Junge. Geht zur Schule. Er ist fit und gesund. An diesem Nachmittag schwimmt er eine Bahn nach der anderen und will seine Grenzen austesten. Er macht genau das was jeder normale 12 jährige in diesem Alter gern tut.

SWB-DL-Brochure---OuterIrgendwann kommt er auf die Idee auszuprobieren wie lange er seinen Atem anhalten kann. Was die Meisten nicht wissen, Jack setzte sich während er Spass beim “sich Austesten” hatte einer grossen Gefahr aus. Minuten später war er in einer Wassertiefe von einem Meter ertrunken!

Jack starb an Shallow Water Blackout, was übersetzt so viel wie Flachwasserohnmachtsanfall bedeutet. Dieser Zustand wurde bisher kaum irgendwo erwähnt. Jack kämpfte niemals um sein Überleben. Er schrie nicht einmal um Hilfe. Er sank einfach zu Boden ohne auch nur einen Laut von sich zu geben. Schuld war sein Gehirn.

SWB-A2-Poster April 2015So bald seine Mutter bemerkte was passiert war, sprang sie in den Pool um ihn aus dem Wasser zu ziehen. Sie begann sofort mit der Wiederbelebung und hoffte das sie ihn wieder zum Leben erwecken könnte, aber es war zu spät.

Shallow Water Blackout ist vier mal tödlicher als der normale Prozess beim Ertrinken. Da nur so wenige Menschen über diese Art von Unfall Bescheid wissen und man es schlecht feststellen kann, was genau passiert ist, wird im Nachhinein oft das Ertrinken als Todesursache festgestellt.

Shallow Water Blackout ist bereits seit den 50er Jahren bekannt, erfuhr aber erst seit dem Beginn des neuen Jahrtausends eine erhöhte Aufmerksamkeit in den Medien und unter Ärzten. Mittlerweile wird von einigen Spezialisten vermutet das Shallow Water Blackout die Haupttodesursache für sichere Schwimmer ist. Die Opfer sind meistens jung, fit, leistungs- und wettbewerbsorientiert und gehen immer bis zum Limit. Genau wie Jack. Sie versuchen ständig herauszufinden, wie weit sie schwimmen und wie lange sie ihren Atem anhalten können. Vor allem das kontinuierliche Wiederholen dieser Vorgänge stellt die eigentliche Gefahr dar.

SWB-DL-Brochure---InnerSobald wir unseren Atem anhalten verringert sich der Sauerstoffgehalt in unserem Blut. Daraufhin alarmiert der normalerweise ansteigende Kohlendioxidgehalt unser körpereigenes Alarmsystem, so das wir ab einem bestimmten Punkt dazu aufgefordert werden den nächsten Atemzug durchzuführen. Ständiges und ununterbrochenes Luft anhalten über einen längeren Zeitraum hält den Kohlendioxidgehalt im Blut künstlich auf einem sehr geringen Niveau, wodurch unser natürliches Alarmsystem nicht ausgelöst werden kann. Unser Gehirn kann aufgrund dieses Zustandes das erforderliche Signal zum Atmen nicht weitergeben. Der Ohnmachtszustand setzt ohne einen Hinweis oder die Möglichkeit zu reagieren ein. Man “schläft” quasi während des Schwimmens einfach ein. Jack hätte um zu atmen im ein Meter tiefen Wasser einfach nur aufstehen müssen. Er war sich nicht einmal darüber bewusst, dass er nicht mehr genug Sauerstoff in seinen Lungen hatte.

Dieses Beispiel hört sich wie ein Einzelfall oder pures Pech an. Leider ist es nicht so. Viele Schwimmtrainer nutzen das so genannte Hypoxictraining ständig im Schwimmtraining, obwohl es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass das Luft anhalten über einen längeren Zeitraum die Schwimmleistung verbessert. Auch bei den US Navyseals sind letzte Woche erst zwei Soldaten während eines Kettlebellunterwassertrainings vermutlich und im Januar/Februar diesen zwei weitere Australier an Shallow Water Blackout verstorben.

SWB-A3-Poster April 2015Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, hier ein paar Links und Videoclips zu Jacks Unfall, Hypoxictraining im Hochleistungsschwimmen inclusive einem Interview mit dem Australischen Nationalmannschaftsschwimmtrainer und die aufgrund Jacks Tod ins Leben gerufene Stiftung. Vor ein paar Wochen habe ich außerdem einen Videoclip für eine neue Unterwassertrendsportart mit dem Namen subwing auf Facebook entdeckt, die leider auch Shallow Water Blackout verursachen könnte. Auch diesen Clip findet ihr hier in meiner kleinen Liste! Leider ist alles in Englisch, was ja auch ein Zeichen dafür sein könnte, warum dieses Thema im deutschen Raum bisher kaum zur Sprache kam und zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

Bitte teilt diesen Link, so das auch andere Schwimmer und Eltern vor Shallow Water Blackout gewarnt und darüber informiert werden können.

http://shallowwaterblackout.org

http://www.9jumpin.com.au/show/60minutes/stories/2014/october/shallow-water-blackout

http://sofrep.com/41093/seal-team-2-operators-drown-underwater-kettle-bell-training/#ixzz3YvjyXYLd

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